11.04.2017

Yavuz Ekinci im SPON-Interview

Anne Haeming hat mit unserem kurdischen Autor Yavuz Ekinci auf seiner Deutschland-Lesereise ein aufschlussreiches Interview für Spiegel Online geführt. Hier zwei kurze Auszüge:

SPIEGEL ONLINE: Teil Ihres neuen Romans ist die Gründungssage eines fiktiven kurdischen Dorfs. In der Literatur dienen Märchen gerne dazu, Realität zu verklausulieren oder eine Geschichte zu verallgemeinern. Worum ging es Ihnen?
YAVUZ EKINCI: Nicht darum, etwas zu erzählen, was ich nicht offen hätte schreiben können. Ich wollte diesen Ort mit historischem Gehalt aufladen. Ein Ding, eine Stadt, ein Gebäude werden für uns bedeutsam aufgrund der Geschichten, die wir darüber erzählen. Ich merkte, dass mein Roman ein Märchen braucht, um zu zeigen, wie wichtig dieser Ort ist, der am Ende zerstört wird.
(…)
SPON: Sie sagten, Sie seien kein Politiker. Aber ist Ihr Schreiben als kurdischer Autor nicht automatisch politisch?
EKINCI: Das stimmt auf jeden Fall. Wie sehr die Politik alles durchdringt, was mit Kurdistan zu tun hat, zeigt ein Beispiel aus den Neunzigerjahren: Weil Rot-Gelb-Grün die kurdischen Nationalfarben sind, ersetzte man in den kurdischen Gebieten das Grün an den Ampeln durch Blau. Als Kurde in der Türkei ist Ihre ganze Existenz per se politisch. Auch wenn ich kein Autor wäre. Wenn ich schreibe, suche ich nach Fragestellungen an mich und die Menschheit. Ich fange an mit einem Gefühl und versuche, dem nachzueilen. Der fertige Text ist wie das Tagebuch der Reise auf den Spuren dieses Eindrucks.
Das vollständige Interview lesen Sie hier!

"Mit einer gekonnten Mischung aus realistischen und märchenhaft-symbolischen Elementen spiegelt der türkisch-kurdische Schriftsteller Yavuz Ekinci das Schicksal seines Volkes.(...) Dem Autor ist auf kunstvolle Weise eine Parabel für eine Erfahrung gelungen, welche die Kurden bis heute immer wieder erleiden. (...) Die symbolhafte Umgestaltung des Erzählstoffs hebt Ekincis Roman aber auch über die Auseinandersetzung mit der kurdischen Thematik hinaus und macht ihn damit umso relevanter." Renate Wiggershaus, Neue Zürcher Zeitung
 

Titel zur News