19.08.2015

Zum Tod von Rafael Chirbes

Am Samstag ist unser Autor Rafael Chirbes gestorben, ganz überraschend und viel zu früh – er wurde nur 66 Jahre alt. Mit ihm hat die europäische Literatur einen ihrer bedeutendsten Erzähler verloren. Davon zeugen allein schon die Nachrufe in den internationalen Feuilletons. „Andere Künstler schleifen ihr Image, verzeihen sich das bisschen Eitelkeit und werden zum Abbild ihres marktgängigen Selbst. Rafael Chirbes tat das nicht“, schrieb Paul Ingendaay am Montag in der FAZ. Wir im Verlag trauern um einen großartigen Schriftsteller und um einen so bescheidenen wie verlässlichen Freund.

Rafael Chirbes, geboren 1949 in Tabernes de Valldigna bei Valencia, arbeitete nach dem Studium in Madrid zunächst als Literatur- und Filmkritiker für verschiedene Zeitschriften, u.a. für das Reise- und Gourmetmagazin Sobremesa. Schon bald wurde Chirbes einer der auch international bekanntesten spanischen Autoren, seine Romane – u.a. „Der lange Marsch“ (1998), „Der Fall von Madrid“ (2000), „Alte Freunde“ (2004) – wurden in viele Sprachen übersetzt, für „Krematorium“ (2008) und den zuletzt erschienenen Roman „Am Ufer“ (2014) erhielt er jeweils den Spanischen Nationalpreis der Kritik. Eine Übersicht auf unsere lieferbaren Titel von Rafael Chirbes finden Sie hier. Zuletzt lebte Chirbes zurückgezogen in Beniarbeig bei Alicante, wo er am 15. August 2015 einem Krebsleiden erlag. „Chirbes‘ Tod ist ein schwerer Schlag“, sagte sein spanischer Verleger Jorge Herralde der Zeitung El País. „Er war ein Mensch von einer außergewöhnlichen moralischen Integrität.“

Vor einigen Jahren sagte Rafael Chirbes in einem Interview: „Ich mag es, mit einem Verleger zu arbeiten, der meine Bücher liest, sie durcharbeitet, sie mit mir bespricht, mir nach der Lektüre einiger von ihnen gesteht, dass sie ihn berühren, ja verwunden, so wie ich selbst aus dem Schreibprozess hervorgehe – einem Verleger, mit dem mich eine Wahlverwandtschaft verbindet.“ Was Chirbes hier auf Jorge Herralde münzte, seinen spanischen Verleger bei Anagrama, galt auch für die jahrzehntelange Verbindung zu Antje Kunstmann, seiner deutschen Verlegerin, und zu Dagmar Ploetz, seiner deutschen Übersetzerin.

„Rafael Chirbes vertraut der sozialen Funktion von Literatur, ihrer Fähigkeit zur Verständigung. Solange er schreibt, ist die Welt nicht verloren.“ An dieses Diktum des Schriftstellers und Kritikers Erich Hackl konnten wir uns viele Jahre halten. Jetzt hinterlässt Chirbes uns nur noch seinen fertigen, letzten Roman „Paris-Austerlitz“, der in Spanien in Kürze und bei uns voraussichtlich 2016 erscheinen wird.

Hier eine Auswahl deutscher Nachrufe: Paul Ingendaay im Gespräch mit Burkhard Müller-Ullrich im Deutschlandfunk, Paul Ingendaay in der FAZ, Martin Oehlen in der Berliner Zeitung, Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau, Jan Marot in der Welt, Kersten Knipp in der NZZ und Sebastian Schoepp in der SZ.

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